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Wann und wo kann man Piratensender hören?
Für den Hörer mögen die Schwarzsender nicht nur deswegen so spannend sein, weil sie illegal und
damit ein wenig geheimnisumwittert sind. Auch der Faktor Zufall spielt eine große Rolle beim Empfangserlebnis.

Zum einen sind die Stationen in der Regel mit nicht so starken Sendern ausgestattet, dass man ein
kräftiges Signal erwarten darf. Zum anderen hält sich so gut wie kein Pirat an irgendwelche festen
Sendezeiten oder Frequenzen. Viele Stationen senden über Jahre hinweg nur sporadisch. Andere
sind eine Zeitlang fast jedes Wochenende in der Luft, um dann sang- und klanglos abzutauchen.
Auf Kurzwelle geben sich die Ausbreitungsbedingungen zudem immer wieder launisch.
Man weiß also nie, was einen erwartet.

 
Empfang auf Kurzwelle
Die Kurzwelle hat den großen Vorteil, dass sie Übertragungen über sehr große Entfernungen
ermöglicht. Im Prinzip sogar weltweit, weil die Signale von einer der oberen Schichten der
Atmosphäre reflektiert werden und quasi im Ping-Pong zur Erde zurück gelangen.

In Westeuropa hat sich seit den 1970er-Jahren eine Free-Radio-Szene herausgebildet, die
vor allem am Wochenende aktiv ist. Zum Empfang bedarf es keiner besonders aufwändigen
Ausrüstung. Zumindest für die stärkeren Stationen genügt in der Regel ein preisgünstiger
Weltempfänger samt eingebautem Teleskopstab. Empfehlenswert ist aber eine Außenantenne,
am besten eine, die auf den gewünschten Empfangsbereich abgestimmt ist, wie etwa ein
Halbwellen-Dipol fürs 48-m-Band. Da die meisten oder zumindest die interessantesten Signale
eher schwächlich einfallen, sollte der Empfänger möglichst trennscharf sein.

Der Nachteil an der Kurzwelle: Die schmalbandige Mono-Tonqualität ist nichts für den Hifi-Freund.
Störungen durch andere Stationen und ein Rauschteppich, den zum Beispiel Leuchtstoffröhren oder Elektrogeräte in der Nachbarschaft erzeugen, beeinträchtigen den Hörgenuss.

        Empfangsversuche lohnen insbesondere am Samstagabend und Sonntagvormittag
        im 48-m-Band:  6200 bis 6320 kHz,
        im 76-m-Band:  3900 bis 3950 kHz (nur abends).
        Außerdem tauchen gelegentlich Stationen im Bereich um 5800 und 6400 kHz auf.

Im Laufe eines Jahres sind in Europa zwischen 150 und 200 Piratensender zu hören. Einige fast
jedes Wochenende, andere nur ein- oder zweimal in zwölf Monaten. Die meisten Stationen stammen
aus den Niederlanden und Großbritannien. In Deutschland gibt es 30 bis 40 aktive Free-Radio-Projekte.

Empfang auf Mittelwelle
Auf der Mittelwelle dominieren die niederländischen Piraten. Sie haben das Ende der Skala als ihre Spielwiese auserkoren. Auch bei Stationen aus Griechenland und Serbien ist dieser Bereich beliebt. Nach Einbruch der Dämmerung ist im Prinzip ebenfalls europaweiter Empfang möglich.

        180-m-Band: 1610 bis 1700 kHz
 
Empfang auf UKW
Auf der Ultrakurzwelle sind normalerweise nur Ortssender zu empfangen. Die Signale reichen
bis zum optischen Horizont (Umkreis von
50 km). Deswegen gilt für Antennen immer:
je höher, desto besser. Oft kann schon ein Küchenradio zum Empfang reichen, wenn
man in der Nähe eines Senders wohnt.

UKW-Piraten gibt es auch in Deutschland.
Oft blühen diese Projekte im Verborgenen,
weil zur Sicherheit nur Eingeweihte davon wissen sollen. Aus diesem Grund lässt sich
die Zahl der tatsächlich aktiven Stationen
nicht sicher schätzen. Bekannt sind aber drei traditionelle Piraten-Hochburgen in Norddeutschland:
Ostfriesland (mit ca. 20 aktiven Stationen),
das Emsland (rund um Papenburg) und
die Grafschaft Bentheim.

    UKW-Piraten-Frequenzen in Ostfriesland:
    95.1, 95.3, 105.2 und 106.1 MHz


Die Hobbystationen gehen vor allem an den Wochenenden sowie an Feiertagen auf Sendung.

Die Nähe zur Grenze spielt dabei eine Rolle:
In den Niederlanden ist Ätherpiraterie Volkssport. Mehrere hundert UKW-Piraten
sind dort aktiv. Aber auch in anderen Ländern gehören illegale FM-Sender zum Alltag, beispielsweise in London.